Überwältigendes Medieninteresse
Im März-Update haben wir beschrieben, wie eure Votes überhaupt funktionieren, was Geisterzüge sind und warum Güterzüge das größte unbekannte Problem bleiben. Seitdem ist enorm viel passiert.
Kurz nach der Veröffentlichung des März-Updates wurde die hessenschau auf die App aufmerksam. Der Beitrag hat das Projekt in eine Größenordnung katapultiert, die wir so nicht erwartet hätten. Es ist überwältigend, welches Medieninteresse es gibt — und wir sind wirklich dankbar für jede Erwähnung. Denn je mehr Leute die App kennen, desto mehr Menschen können sie nutzen, um sich Lebenszeit an der Schranke zu sparen.
Was uns besonders freut: Seit April haben wir direkten Kontakt zum Stellwerk in Neu-Isenburg. Ein großes Dankeschön an das Team dort vor Ort — der fachliche Austausch und die Unterstützung haben schon jetzt wesentlich dazu beigetragen, das Prognosemodell zu verbessern. Viele der Verbesserungen in diesem Update wären ohne diesen Austausch nicht möglich gewesen.
Das große Thema im April: Durchfahrer. Im März-Update haben wir erklärt, dass Züge wie ICE, IC oder FlixTrain, die in Buchschlag nicht halten, eine der größten Herausforderungen für die Prognose sind. Diesen Monat haben wir mehrere große Schritte gemacht, um genau dieses Problem zu lösen.
Warum Durchfahrer so schwierig sind
Züge, die in Buchschlag halten — S6, RB61 — sind relativ einfach vorherzusagen. Ihre Abfahrtszeiten stehen im Fahrplan, Verspätungen kommen über die Echtzeit-Schnittstelle der Bahn, und die Schranke schließt vorhersagbar rund zwei Minuten vor Abfahrt.
Durchfahrer sind eine andere Geschichte. Sie tauchen im lokalen Fahrplan gar nicht auf. Die App muss aus den Fahrplänen von fünf Nachbarstationen (Langen, Neu-Isenburg, Frankfurt Süd, Frankfurt Hbf, Darmstadt Hbf) ableiten, dass ein Zug durch Buchschlag fahren wird — und wann genau. Schon kleine Ungenauigkeiten bei der Berechnung der Durchfahrtszeit führen dazu, dass die Prognose um Minuten daneben liegt.
Im März haben wir beschrieben, wie diese Berechnung grundsätzlich funktioniert. Im April haben wir sie an drei entscheidenden Stellen verbessert.
GPS-Routen zeigen, welche Züge wirklich kommen
Nicht jeder Zug, der in Frankfurt Richtung Süden losfährt, kommt auch durch Buchschlag. Viele Fernzüge nehmen die Riedbahn über den Flughafen — komplett an uns vorbei. Im Fahrplan sehen diese Züge aber zunächst gleich aus. Das Ergebnis: Die App sagt „Schranke geschlossen“ — aber nichts passiert. Ein Geisterzug.
Jetzt prüft die App die tatsächliche Route eines Zuges über GPS-Daten. Wenn ein Zug in Frankfurt abfährt, lädt die App seine echte GPS-Strecke herunter und prüft, ob sie durch den Bahnhof Buchschlag führt. Kein Raten mehr — echte Geodaten.
Frankfurt Hbf → Flughafen → Groß-Gerau → Mannheim — an Buchschlag vorbei
Frankfurt Hbf → Frankfurt Süd → Neu-Isenburg → Buchschlag → Langen → Darmstadt
Besonders wichtig ist das gerade jetzt: Durch die Riedbahn-Sperrung (4. April – 15. Mai) werden mehr ICE und IC über die Main-Neckar-Bahn umgeleitet. Die GPS-Prüfung erkennt das automatisch — auch wenn der Zug normalerweise gar nicht durch Buchschlag fährt.
Wie die App die Durchfahrtszeit berechnet — und warum das jetzt besser funktioniert
Im März-Update haben wir erklärt, dass die App die Durchfahrtszeit eines Zuges aus den Abfahrtszeiten der Nachbarstationen berechnet. Das ist die Grundlage — aber im Detail steckt deutlich mehr dahinter.
Die Strecke zwischen Frankfurt Hbf und Darmstadt ist nicht gleichmäßig schnell. Am Frankfurter Hauptbahnhof fahren Züge langsam aus dem Bahnhof (ca. 60–80 km/h durch die Gleiskurven), beschleunigen dann auf 100–120 km/h zwischen Frankfurt Süd und Neu-Isenburg, und erreichen auf der geraden Hauptstrecke durch Buchschlag und Langen bis zu 140–160 km/h. Vor Darmstadt bremsen sie wieder auf 80–100 km/h ab.
Die App berücksichtigt dieses Geschwindigkeitsprofil bei der Berechnung. Statt einfach die Entfernung durch eine Durchschnittsgeschwindigkeit zu teilen, berechnet sie für jeden Streckenabschnitt einzeln, wie lange ein Zug dort unterwegs ist. Dadurch kommt zum Beispiel heraus, dass ein ICE von Frankfurt Hbf bis Buchschlag verhältnismäßig länger braucht als von Buchschlag bis Darmstadt — obwohl die Entfernung kürzer ist. Der langsame Ausfahrtsbereich in Frankfurt macht den Unterschied.
Zusätzlich gibt es jetzt für viele Durchfahrer historische Referenzwerte. Auf Basis beobachteter Daten wurden für über 200 Durchfahrer-Züge annähernd genaue Wegzeiten vom jeweiligen Ausgangsbahnhof bis zur Schranke abgeleitet. Diese Referenzwerte ergänzen die Geschwindigkeitsberechnung — und werden zusätzlich durch eure Community-Votes korrigiert, wenn die Realität von der Berechnung abweicht.
Historische Referenz
Beobachtete Wegzeit für diesen konkreten Zug — wenn verfügbar, die zuverlässigste Quelle.
Geschwindigkeitsgewichtete Berechnung
Berechnet aus den Abfahrtszeiten der Nachbarstationen mit dem Strecken-Geschwindigkeitsprofil.
Gemischter Wert
Kombination aus Berechnung und Community-Erfahrungswerten.
Community-Wert
Rein aus euren Votes abgeleitete Durchfahrtszeit.
Standardwert
Fester Schätzwert pro Zugtyp — wenn sonst nichts verfügbar.
In der App erkennt ihr Züge mit historischen Referenzdaten am „Historie“-Badge. Für diese Züge ist die Genauigkeit deutlich besser — statt einer groben Schätzung nutzt die App jetzt bewährte Erfahrungswerte, korrigiert durch eure Votes.
Warum manche Lücken nicht eintreten — und was die App daraus lernt
Zwischen zwei Zügen gibt es manchmal eine rechnerische Pause, in der die Schranke aufgehen könnte. Aber in der Praxis treten nicht alle berechneten Lücken auch tatsächlich ein. Es gibt viele Gründe dafür: Die betriebliche Reihenfolge der Züge weicht vom Fahrplan ab, ein schneller Zug wird vor einem langsameren durchgelassen, oder die Umschaltzeit zwischen zwei Fahrstraßen dauert länger als erwartet. All das lässt sich aus Fahrplandaten allein nicht ablesen.
Jetzt gibt es ein statistisches Modell, das genau diese Fälle aus euren Votes lernt. Wenn die App eine Lücke vorhersagt und ihr meldet, dass die Schranke trotzdem durchgehend geschlossen blieb, fließt das in die Berechnung ein. Mit der Zeit erkennt das Modell Muster — zum Beispiel, dass bei bestimmten Zugkombinationen und Tageszeiten die Lücke fast nie eintritt.
Lücken- & Fahrdienstleiter-Modell
Sagt voraus, ob eine berechnete Lücke wirklich eintritt — inklusive der Entscheidungslogik des Fahrdienstleiters. Lernt aus euren Votes, wann die Schranke trotz rechnerischer Lücke geschlossen bleibt.
Aktiv seit AprilZeit-Korrektur
Soll Vor- und Nachlaufzeiten feinjustieren. Braucht noch mehr Trainingsdaten, bevor es zuverlässig genug für den Produktiveinsatz ist.
In VorbereitungEine klare Zahl statt sechs Sonderfälle
Wenn zwei Züge kurz hintereinander kommen, muss die App entscheiden: Bleibt die Schranke durchgehend geschlossen, oder gibt es dazwischen eine kurze Öffnung? Bisher gab es dafür sechs verschiedene Schwellenwerte — je nach Zugkombination einen anderen. Das war kompliziert und fehleranfällig.
Komplex und fehleranfällig — mehr Schaden als Nutzen
Beinhaltet Schrankenschließung, Öffnung und 10-Sekunden-Regel
Die Auswertung von über 10.500 Votes hat gezeigt: Die sechs verschiedenen Werte haben in Summe mehr falsche Vorhersagen erzeugt als richtige. Der neue, einheitliche Wert von 65 Sekunden basiert auf dem fachlichen Austausch mit dem Stellwerk und bildet die reale Physik der Schrankenmechanik ab:
Lücken unter 65 Sekunden können physisch keine Schrankenöffnung beinhalten — das ist keine Heuristik, sondern eine physikalische Untergrenze.
Stabilere Prognosen beim Laden der App
Vielleicht ist euch aufgefallen, dass die App manchmal kurz nach dem Öffnen eine etwas andere Prognose angezeigt hat — die sich dann nach wenigen Sekunden korrigiert hat. Das war ein Fehler in der Art, wie die App beim ersten Laden ihre Daten aufbaut.
Konkret: Die App hat beim Starten kurzzeitig ungenauere Standardwerte für die Durchfahrtszeiten benutzt, bevor die besseren Daten aus euren Votes geladen waren. In dieser kurzen Phase konnte die Prognose abweichen — manchmal um mehrere Minuten.
Sofort die besten Daten
Die App lädt jetzt schon beim Start die Community-Daten vor. Außerdem speichert sie die letzte gültige Prognose zwischen — so gibt es kein „Flackern“ mehr beim Öffnen.
Korrekturen begrenzt
Automatische Anpassungen der Durchfahrtszeit sind jetzt auf maximal ±1 Minute begrenzt — einzelne fehlerhafte Datenpunkte können die Prognose nicht mehr stark verzerren.
Zugtabelle wird zur mobilen Kartenliste
Die Zugliste in der App wurde komplett überarbeitet. Statt einer kompakten Tabelle, die auf dem Handy schwer zu lesen war, zeigt die App jetzt jede Zugbewegung als eigene Karte — mit Richtungspfeil, Zugname, Methoden-Anzeige, Station, Durchfahrtszeit und dem aktuellen Vote-Stand.
Wenn die Community eine Korrektur bewirkt hat, wird das mit einem blauen Badge hervorgehoben. So seht ihr auf einen Blick, wo eure Votes die Prognose verbessert haben.
Warum jeder einzelne Vote zählt
Viele der Verbesserungen in diesem Update waren nur möglich, weil es echte Daten aus der Community gab. Die GPS-Prüfung wurde gebaut, weil eure Votes Geisterzüge sichtbar gemacht haben. Die historischen Referenzdaten konnten validiert werden, weil eure Votes die Realität an der Schranke abbilden. Und das Fahrdienstleiter-Modell existiert überhaupt nur, weil eure Votes gezeigt haben, wo die Theorie von der Praxis abweicht.
Jeder Vote ist ein Datenpunkt. Und jeder Datenpunkt bringt die Prognose ein Stück näher an die Realität.
Bestätigt, dass die Schranke wirklich zu ist. Das stabilisiert die Prognose für diesen Zug und diese Uhrzeit.
Zeigt an, dass die Schranke offen ist. Daraus erkennt die App: Geisterzug, zu lange Nachlaufzeit, oder der Fahrdienstleiter hat umgeplant.
Bestätigt, dass die Schranke wirklich offen ist — auch kurze Lücken zwischen Zügen werden so validiert.
Die Schranke ist schon zu, aber die App zeigt noch „offen“. Dann war die Vorlaufzeit zu kurz — das System korrigiert nach oben.
Nicht alles lässt sich allein über Votes lösen. Wenn euch ein Muster auffällt — ein Zug der dauerhaft fehlt, ein wiederkehrender Fehler, oder eine Idee für die App — gibt es dafür einen direkten Weg:
Diese App lebt durch euch
Über 7.500 Menschen nutzen die App jeden Monat. Über 100.000 Seitenaufrufe in den letzten 90 Tagen. Mehr als 10.500 Community-Votes. Hinter jeder dieser Zahlen stehen echte Menschen aus Buchschlag und Umgebung, die sich jeden Tag ein paar Minuten Wartezeit an der Schranke sparen.
Wenn ihr ein lokales Unternehmen seid und die App unterstützen möchtet — zum Beispiel mit eurem Logo auf der Startseite — meldet euch gerne. Die Reichweite ist da, die Zielgruppe ist lokal, und die Sichtbarkeit ist echt.
Ein großes Danke an alle, die das Projekt aktuell oder in der Vergangenheit unterstützt haben. Ihr alle leistet einen Beitrag dazu, dass die App stetig weiter betrieben und entwickelt werden kann.